Hilfe, ich habe Liebeskummer!

„Das wars mit uns!“, „Ich ziehe aus, mir reichts!“, „Ich liebe dich nicht mehr, kapier das doch endlich!“, könnten mögliche Sätze sein, die du schon mal gehört hast oder selbst gesagt hast, wenn eine Beziehung beendet wurde.

Vielleicht hast du auch sofort ein mulmiges oder unangenehmes Gefühl gespürt, als du die Sätze gelesen hast. Mir ging es jedenfalls so, aber warum eigentlich?

Beziehungen prägen unser Leben von Geburt (oder noch früher) an. Wir Menschen sind soziale Wesen und wir brauchen Bindungen, die uns Halt und Sicherheit geben, vor allem wenn es uns einmal schlecht geht. Wenn wir Erwachsen werden, spüren fast alle Menschen das Bedürfnis nach einer romantischen Beziehung. Mit romantischen Beziehungen kommen jedoch viele Herausforderungen und leider oft auch schmerzhafte Erfahrungen. Beinahe jeder Mensch erlebt im Laufe seines Lebens, was es bedeutet Liebeskummer zu haben.

Wahrscheinlich bist du hier, weil dich das Thema Beziehungen grundsätzlich beschäftigt, oder vielleicht weil du gerade so eine Veränderung in deinem Leben durchmachst. In jedem Fall findest du hier Tipps, wie du besser mit Liebeskummer umgehen kannst und falls du selbst gerade keinen hast, dann hilft dir das Wissen vielleicht, einem Freund oder einer Freundin zu helfen.

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Liebeskummer kommt häufig mit dem Gefühl von Einsamkeit.

Was ist Liebeskummer?

Wenn eine Beziehung endet, dann ist das meist sehr schmerzhaft für uns. Nicht immer und nicht jeder Mensch hat jedoch zwingend Liebeskummer, denn einige Dinge haben Einfluss darauf ob und wie viel Liebeskummer wir erleben. Es kommt darauf an, was passiert ist, wie überraschend das Ende für uns kam, wie involviert wir in der Beziehung waren und auf unsere Interpretation des Endes. Liebeskummer kann sich durch starke Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Verlust des Selbstwertgefühls, Antriebslosigkeit, Ängstlichkeit, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Rastlosigkeit, starke Stimmungsschwankungen und anderen Symptomen wie verringerte Konzentrationsfähigkeit oder Schlafstörungen, äußern. Falls du dich nun schreckst, ja das sind ähnliche Symptome wie bei einer Depression, normalerweise klingen diese äußert unangenehmen Gefühle und Symptome jedoch innerhalb von ein paar Wochen und Monaten wieder ab. (1) 

Du hast eine wichtige Bindung und Bezugsperson verloren und der Schmerz, den du jetzt spürst, erinnert dich ständig daran. Dieser Mechanismus ist völlig natürlich, denn früher (viel früher) bedeutete der Verlust sozialer Anbindung den Tod und dein Gehirn denkt nun wahrscheinlich, dass du in Lebensgefahr bist. Zusätzlich ist Liebe und Aufmerksamkeit wie eine Droge, und die ist nun plötzlich weggefallen, daher könnte man das, was du derzeit wahrnimmst auch einen Entzug nennen. Wie ein Süchtiger, dem man seine Droge wegnimmt, hast du auch Entzugserscheinen und dein Gehirn versucht sich „Ersatzdrogen“ zu geben, indem es dich mit schönen Erinnerungen und Momenten „füttert“ in denen du die Liebe für einen kurzen Moment wieder spürst. Die „Ersatzdrogen“ sind sehr tückisch, denn sie halten die ganze Dynamik am Laufen…

Was kannst du tun?

Mach dir immer bewusst, dass DU und dein Heilungsprozess jetzt einmal Prioriät haben. Vielleicht tust du dir schwer damit, weil du immer für andere Menschen da bist, oder dir Sorgen machst, wie es ihm oder ihr geht, trotzdem ist es jetzt einmal wichtig, dass es DIR wieder besser geht, damit du wieder für andere Menschen auch da sein kannst. Versuche die nächsten Wochen einmal für dich selbst da zu sein, wie du es auch für jemand anderen in so einer Situation wärst! 

1. Lass alle Gefühle zu

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Finde zurück zu dir und deinem Weg!

Wahrscheinlich machst du gerade alle Gefühlszustände durch, die man sich nur vorstellen kann. Es kann sein, dass du wütend, traurig, enttäuscht und vielleicht sogar erleichtert gleichzeitig bist oder sich diese Gefühle abwechseln. Das ist in Ordnung, du darfst all diese Gefühle haben. Finde Wege, wie du die Gefühle, so unangenehm sie auch sind, wahrnehmen und rauslassen kannst. Hör traurige Musik oder schau einen traurigen Film und lass es zu zu weinen. Schreie und schlage in ein Kissen, mach lange Spaziergänge und fühle alles, was hochkommt. Sprich mit Freunden oder vertrauten Menschen darüber, oder schreibe deine Gedanken auf.

2. Löse dich von dieser Person

Die Suchtdynamik bzw. die Entzugserscheinen habe ich dir schon erklärt und es gibt einen effektiven Weg, wie man von einer Sucht (in dem Fall einer Person) weggkommt. Man vermeidet die „Droge“ und auch die Ersatzdroge so lange es nötig ist. Verringere also den Kontakt so gut es geht und wenn möglich brich ihn ab (Freunde könnt ihr werden, wenn es dir besser geht). Archiviere Chatnachrichten und Fotos, indem du sie auf einer Festplatte speicherst und du sie mit allen Dingen, die dich an die Beziehung erinnern, in den Keller räumst. Unterbrich Gedankenschleifen und lenke deinen Fokus immer wieder auf dich und dein eigenes Leben zurück, auch wenn es schwer ist.

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Loslassen ist schwer, aber möglich!

3. Tu dir selbst etwas Gutes

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Verbringe Zeit mit Dingen oder Menschen, die du liebst!

Wann hast du das letzte Mal gebadet, bist an einen wunderbaren Ort gefahren, oder hast dir dein Lieblingsessen gekocht? Nun ist die Zeit für all diese Dinge und auch, wenn dir nicht danach ist, versuch dir zumindest kleine Dinge zu gönnen. Du könntest deine Lieblingsserie schauen, alte Freundschaften reaktivieren, etwas malen, ein Instrument spielen oder eine Tasse Tee genießen. Aktivitäten in der Natur und mit Freunden, oder Bewegung sind auf jeden Fall empfehlenswert!

Wenn du zu nichts Lust hast ist das auch in Ordnung, dann achte zumindest gut auf deine „Basics“! Das heißt, iss ausreichend, schlaf so gut es geht und beweg dich zwischendurch!

4. Erkenne deinen Wert und die positiven Seiten des Lebens

Im Liebeskummer verlieren wir die Kontrolle über unsere Aufmerksamkeit und unsere Gedanken. Wir sehen und fühlen nur noch das Negative, ähnlich wie in einer Depression. Versuche deine Aufmerksamkeit durch einfache Übungen wieder auf schöne Dinge zu lenken. Schreibe dazu jeden Tag 3 Dinge auf, für die du Dankbar bist und 3 Dinge, die heute geschafft hast. So erkennst du langsam, dass nicht alles verloren und hoffnungslos ist, sondern du durchaus in der Lage bist, etwas zu schaffen und Positives zu empfinden. 

 

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Verändere Schritt für Schritt deine Wahrnehmung!

5. Sei dir bewusst, was du verloren hast

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Oft erkennen wir erst im Nachhinein, welcher Weg der richtige war und wozu etwas gut war!

Wenn wir Liebeskummer haben, denken wir automtisch, dass wir alles verloren haben. Wir sehen keine Zukunft mehr und haben das Gefühl, dass alles umsonst war und wir nie wieder glücklich werden können.

Die Wahrheit ist jedoch, dass du der/die Hauptdarsteller*in und gleichzeitig der/die Regisseur*in deines Lebens bist. Es ist noch alles da, alle Möglichkeiten und Träume, alle Freunde, Verwandten und was sonst noch alles dazugehört. Es hat sich lediglich eine Rolle in deinem Film verändert. Das heißt nicht, dass deine Zukunft weg ist, es bedeutet nur, dass diese Rolle vielleicht nicht optimal besetzt war, es nicht gepasst hat, oder zu viele Fehler begangen wurden.

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Nachsatz

Auch ich, war einmal in einer Situation, in der ich mir keine passende und angenehme Zukunft mehr vorstellen konnte. Ich bin vom Fach und dachte trotzdem ich müsse da alleine wieder rauskommen. Bücher, Podcasts, stundenlange einsame Wanderungen, Freunde und Familie und natürlich schlussendlich ich selbst, haben mir da rausgeholfen. Rückblickend würde ich mir jedoch Unterstützung suchen, da man in der Situation selbst, die Dinge nicht mehr richtig beurteilen kann und die Wahrnehmung sich einfach so einengt, dass man Möglichkeiten nicht mehr wahrnimmt. Daher ist eine objektive, äußere Perspektive sehr wertvoll, vor allem von jemandem, der ähnliches durchgemacht hat und da wieder rausgekommen ist.

Liebeskummer ist keine anerkannte Krankheit, wird in unserer Gesellschaft nicht ernst genommen und bekommt nicht genug Anerkennung, wenn man bedenkt wie schwerwiegend die Auswirkungen sind. Daher liegt mir dieses Thema speziell am Herzen und ich habe Übungen entwickelt, die einem in so einer Situation helfen können. Ich hoffe, dass ich in den nächsten Wochen auch die Videos dazu aufnehmen kann und das ganze als online Kurs verfügbar sein wird.

Bis dahin, alles Gute!

Alexander Tiesenhausen

@diepraxis_graz

 

Das Leben darf auch Spaß machen und schön sein!

Cui R. (2015). Editorial: A Systematic Review of Depression. Current neuropharmacology13(4), 480. https://doi.org/10.2174/1570159×1304150831123535

Hajal F. (1994). Diagnosis and treatment of lovesickness: an Islamic medieval case study. Hospital & community psychiatry45(7), 647–650. https://doi.org/10.1176/ps.45.7.647