Wie deine tiefsten Überzeugungen dein Leben beeinflussen.

Häufig entwickeln sich Gespräche, die ich in der Praxis oder auch im Privaten führe, in eine philosophische Richtung. Es mag sein, dass das an der derzeitigen Literatur liegt, die ich konsumiere (dazu in einem anderen Blog-Artikel mehr), oder mir nur einfach vermehrt auffällt, dass die Wahrnehmung jedes Menschen, durch seine inneren Überzeugungen geprägt wird. In meiner Familie zum Beispiel, wurde ich immer als Außenseiter gesehen, da meine Leidenschaft lange Zeit der Fußball war. In meinen Augen jedoch, war meine Familie „anders“, da ich mich ständig mit Leuten umgab, die auch für Fußball lebten und ich so Eindruck bekam, dass Fußball das Zentrum der Welt sei. 

Fußball ist zwar nur ein harmloses Beispiel, doch seitdem ich meine Karriere beendet habe, hat sich auch meine Wahrnehmung diesbezüglich enorm verändert. Ich verfolge den Sport nun nicht mal mehr und habe, wenn jemand über Fußball spricht, sogar das eigenartige Gefühl, dass es belanglos ist (also so wie du wahrscheinlich). Meine Überzeugung, oder mein Glaubenssatz (wie das häufig im Deutschen bezeichnet wird) hat sich also verändert und mit ihm, meine Wahrnehmung, was die Wichtigkeit dieser Sportart angeht. Früher hieß der Glaubenssatz vielleicht: „Ich bin Fußballer und Fußball ist das Wichtigste auf der Welt“ und jetzt würde er lauten: „Fußball ist eine von vielen Sportarten, die Spaß macht“.

Egal, wie deine Glaubenssätze lauten, du wirst recht behalten!

Wie veränderbar unsere Wahrnehmung ist, kann man an Hand von vielen Beispielen zeigen. Wolltest du dir zum Beispiel, schon mal ein neues Auto kaufen und hast es dann plötzlich überall herumfahren gesehen? Oder hast du dir ein neues Reiseziel gesucht und plötzlich waren überall Werbungen dafür zu sehen? Vielleicht hast du auch eine neue Redewendung gelernt und nun hörst du sie ständig?

Das liegt daran, dass unser Gehirn alle Eindrücke filtert, um nicht überfordert zu werden. Je nachdem, was als wichtig empfunden wird, gelangt dann quasi ins Bewusstsein und alles andere wird blockiert. Das heißt, unsere Wahrnehmung verändert sich durch unseren Fokus und der wiederum hängt von unseren Zielen, Wünschen, Gedanken, Einstellungen und eben Überzeugungen ab. Wir nehmen als vermehrt das wahr, woran wir denken. Nun stellt sich da Frage, woran denkst du? 

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Wie lautet die Geschichte, die du dir erzählst?

Wenn uns etwas Negatives passiert, neigen wir Menschen dazu, diese Situation zu verallgemeinern und schließen aus diesem Erlebnis, wer wir sind, welchen Stellenwert wir in der Gesellschaft einnehmen und erklären uns damit sogar, wie die Welt funktioniert. Traumatische Erlebnisse lassen besonders negative Rückschlüsse zu und können uns den Eindruck hinterlassen, wir seien vollkommen wertlos, und die Welt ein schrecklicher Ort. Möglicherweise schließen wir daraus, dass wir es gar nicht anders verdient hätten oder das man niemandem Vertrauen dürfe. 

Versuch dir einmal bewusst zu machen, wie die Erzählung in deinem Kopf lautet? Wie du mit dir selbst sprichst, kann auch Rückschlüsse auf deine Überzeugungen schließen lassen.

Ich habe negative Glaubenssätze, was jetzt?

Kein Sorge, fast jeder Mensch trägt den ein oder anderen negativen Glaubenssatz mit sich herum. Die häufigsten, die mir im letzten Jahr aufgefallen sind, habe ich in der Liste zusammengefasst, aber theoretisch kann ein Glaubenssatz alles mögliche betreffen und durch ein einzelnes Ereignis oder mehrere Ereignisse in der Kindheit, Schulzeit oder einer Beziehung entstanden sein.

Am Besten ist, du machst dir eine Liste mit deinen negativen Glaubenssätzen und schreibst, wenn möglich, dazu woher dieser Glaubenssatz kommt.

Schritte zur Veränderung

1. Akzeptanz und Empathie: Wenn man sich nun diese Liste an negativen Glaubenssätzen anschaut, könnte man vielleicht echt verzweifeln. Es besteht die Gefahr, dass sehr viele negative Gefühle verstärkt hochkommen. Sei dir jedoch bewusst, dass es nur Gefühle sind, die kommen und gehen und, dass alle Gefühle da sein dürfen. Versuch dich nicht zu verurteilen, sondern das was jetzt da ist anzunehmen und zu akzeptieren. Niemand ist perfekt und auch du hast Krisen und negativen Erfahrungen im Leben gemacht, daher ist es verständlich, dass du so denkst, handelst und fühlst. Die meisten Glaubenssätze und Verhaltensweisen, hatten oder haben auch einen Sinn, den man auf den ersten Blick jedoch nicht sieht. (Beispiel: Ein Kind, das in einem unsicheren Haushalt aufgewachsen ist, lernt vielleicht die Gefühle der anderen Menschen stärker wahrzunehmen, als die eigenen, um möglichst vorhersagen zu können, wenn wieder etwas schief gehen wird. Glaubenssätze dazu wären zum Beispiel: „Die Gefühle anderer Menschen sind wichter ist meine“ „Solange ich nichts falsch mache, passiert mir nichts“)

2. Neue Glaubenssätze formulieren: Schreib nun für jeden deiner alten Glaubenssätze, einen neuen, besseren und sinnvolleren Glaubenssatz auf, der realistischer (von einem objektiven Standpunkt, den du noch nicht wirklich spüren kannst) ist. Wenn einer deiner Glaubenssätze lautete: „Solange ich keine Fehler mache, werde ich akzeptiert und gemocht“, dann kann dein neuer Glaubenssatz lauten: „Alle Menschen machen Fehler, aus ihnen lernt man und sie machen einen authentisch“. (Diese positive Rückmeldung bekomme ich tatsächlich oft, wenn ich mich wieder mal für mein Rechtschreibung schäme…) 

3. Die neuen Glaubenssätze bestätigen: Jetzt, wo du konkret weißt, welche neuen Glaubenssätze du dir aneignen willst, hält dein Gehirn nach Beweisen dafür Ausschau. Trotzdem solltest du es bei der Suche, nach Bestätigung unterstützen. Wenn dein neuer Glaubenssatz lautet: „Es gibt Menschen, denen ich wichtig bin“, dann nimm ganz bewusst wahr, wenn ein Kollege, Freund, Freundin, Familienangehöriger oder Nachbar dich fragt, wie es dir geht, oder ob du etwas brauchst. Das ist die Bestätigung und entkräftet den alten Glaubenssatz: „Niemand mag mich“.

4. Verbrenne deine alten Glaubenssätze: So blöd es klingt, aber verbrenne die Liste deiner alten Glaubenssätze und versuch sie dadurch ganz bewusst loszulassen. (Oder such dir ein anderes schönes Ritual wie zum Beispiel zerreißen oder in einen Fluss werfen.)

5. Nimm wahr, wenn du wieder in dein altes Muster zurückfällst: Alte Denkmuster kann man nicht löschen, sie werden immer da sein, aber sie werden an Bedrohlichkeit und schließlich an Bedeutung verlieren. Vor allem, wenn du es nicht als Rückfall siehst, sondern als „Ausflug“ in alte Gedankenmuster. Du kannst das ganz gelassen sehen, dir danken, dass dieser Persönlichkeitsanteil von dir noch immer da ist (wäre auch schade, wenn nicht…), und dich ganz ruhig, wieder auf die neuen Glaubenssätze konzentrieren.

 

Zusätzliche Unterstützung

Der Weg zu neuen Glaubenssätzen ist alles andere als leicht, da man immer dazu neigt, die negativen Glaubenssätze weiter zu verinnerlichen und man sich dann selbst abwertet, anstatt Empathie mit sich selbst zu haben. Daher ist ein Tipp, bereits so zu handeln, als wären die neuen Glaubenssätze gültig und sie so auch zu verkörpern. Es spielt einfach alles zusammen und wenn du zum Beispiel deine Körperhaltung änderst, kannst du auch dein Selbstvertrauen stärken. Es steht quasi alles in einer Wechselwirkung. Mach die Augen auf, und versuch deinen durch negative Glaubenssätze verzerrten Blick, wieder zu erweitern. Versuch aus deinem Tunnel der Wahrnehmung raus zu kommen und zu hinterfragen.

Podcasts, Bücher, Meditationen, Filme und Musik können dich dabei unterstützen, wenn du die Botschaften mal ganz bewusst wahrnimmst und versuchst umzusetzen. Mach dir auch bewusst, dass du auf diesem Weg nicht alleine bist. Derzeit versuchen wahrscheinlich Millionen Menschen ihre Glaubenssätze zu verändern und eine Community, wie meine auf Instagram kann sehr hilfreich sein. Wenn alles nichts hilft, such dir professionelle Unterstützung auf deinem Weg zu mehr Selbstliebe. Selbstliebe, mein Stichwort für einen weiteren Blog-Artikel. 

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Zusammengefasst

Deine Glaubenssätze bestätigen sich automatisch immer wieder. Sie werden zu deiner Realität. Wenn du sie veränderst, verändert sich auch deine Wahrnehmung und Sicht der Dinge. Du hast nichts zu verlieren, du kannst nur gewinnen, wenn du es schaffst dich von negativen Überzeugungen aus deiner Vergangenheit zu lösen. Mach dir bewusst, dass du negative Erfahrungen derzeit wahrscheinlich verallgemeinerst, was ein Schutzmechanismus ist, aus dem du ausbrechen kannst.

Viel Erfolg beim Ausprobieren und bei der Veränderung! Wir sehen uns auf Instagram, Tiktok, oder dem nächsten Blog-Artikel.

 

Alles Gute, bleib gesund!

Alexander Tiesenhausen